Über das Schreiben

Über neue Wege

Am 19. August ging mein letzter Beitrag online und die nächsten zwei Tage habe ich eigentlich nur mit Nachdenken und Planen verbracht. Aus meiner anfänglichen Frustration (und der Verzweiflung) darüber, dass ich dieses Jahr einfach noch nichts zu Stande gebracht habe, wurde eine Jetzt-reicht-es-mir-Einstellung. Ich hatte genug davon, zu versagen und mich schlecht zu fühlen.

So weit, so gut. Also fing ich am 21. August mit dem Schreiben meiner neuen (alten) Geschichte an. Die Zweifel und der innere Kritiker (dieser kleine Dreckskerl) waren immer noch da, aber davon habe ich mich dieses Mal nicht beirren lassen. Immer, wenn einer der beiden mich getreten hat, habe ich zurück geboxt und sie in ihre Schranken gewiesen. Ich wollte ein Manuskript beenden und plötzlich war ich wie besessen. Mit eisernem Willen habe ich mich daran festgebissen und alles andere war mir vollkommen egal. Jeden Morgen bin ich aufgestanden, habe mir meine Dosis Koffein abgeholt und mich mental auf das Schreiben vorbereitet. Und dann habe ich mich in meinen Sessel gepflanzt, mir die Kopfhörer in die Ohren gestopft und habe getippt wie eine Irre. Meistens sechs bis acht Stunden. Aufgestanden bin ich nur, um auf Toilette zu gehen. Es gab kein Essen, keine Pause, einfach nichts anderes, das mich hätte ablenken können. (Nachmachen übrigens nicht zu empfehlen, denn danach war ich jedes Mal ein Zombie!!) Vor dem Schlafengehen, bin ich den nächsten Teil meines Manuskriptes durchgegagngen, bis ich es verinnerlicht hatte, um an nächsten Tag genau da weiter machen zu können, wo ich aufgehört habe.

Gesund waren die letzten zwanzig Tage sicher nicht, das merke ich allein schon daran, wie verspannt meine Schultern sind und wie stark meine Augen brennen. Und so was kann man auch nicht auf Dauer durchziehen, das wäre einfach nicht gut für den Körper. Aber ich musste mir etwas beweisen und das habe ich auch geschafft. Denn bei der ganzen Aktion ging es nur darum, herauszufinden, ob ich überhaupt noch ein Manuskript beenden kann. Und dabei ist mir dann klar geworden: Je schneller ich die Rohfassung beende, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass ich die Sache bis zum Schluss durchziehe. Mit genügend Pausen dazwischen wären sicher im Jahr vier solcher Schreibeskalationen drin, aber daran will ich jetzt erst mal nicht denken. Denn gestern, nach genau zwanzig Schreibtagen (mit zwei Unterbrechungen), habe ich es endlich geschafft das Wörtchen Ende unter mein Manuskript zu setzen. Danach war ich zu nichts mehr zu gebrauchen, weil mir die Erschöpfung in den Knochen gesteckt hat, aber ich war … zufrieden. So lässt sich das Gefühl wohl am ehesten beschreiben. Ich bin nicht wie sonst durchs Wohnzimmer gehüpft, aber ich habe mich nicht mehr so wertlos gefühlt wie in den Wochen und Monaten zuvor.

Und zum ersten Mal, seit ich You & Me – Zwischen Wahrheit und Lüge im Oktober 2016 beendet habe, hatte ich nicht das Gefühl, nur Scheiße zu schreiben. Wahrscheinlich, weil ich das Konzept zu SL an eine liebe Autorenkollegin geschickt habe (danke noch mal an Sarah <3) und sie mir Feedback gegeben hat, dass ich noch während des Schreibens umgesetzt habe. Oder es lag einfach daran, dass Daria und Tyler mir alles abgenommen haben und ich nur noch tippen musste (DAS ist übrigens mein Schreibflow. Wenn die Wörter fließen, als würde sie mir jemand ins Ohr flüstern und wenn die Charaktere so lebendig sind, dass ich in jeder freien Sekunde an sie denke). Egal woran es lag, es hat geflutscht und selbst jetzt halte ich das Manuskript nicht für absoluten Schrott. Ja, wahrscheinlich muss ich noch einiges ändern, ein paar Anmerkungen habe ich mir schon gemacht und die ersten beiden Kapitel haben schon die erste Überarbeitung hinter sich, aber ich freue mich darauf, der Geschichte den letzten Schliff zu verpassen!

Und da wären wir schon beim Knackpunkt: SL wird nicht als SP-Titel erscheinen. Zumindest nicht, wenn alles so klappt, wie ich mir das wünsche. Als Nächstes werde ich die Leseprobe fertig machen (und sie an verschiedene Testleser schicken), danach schreibe ich ein Exposé, damit SL sich in die weite Welt machen kann, um ein schönes Zuhause zu finden. Bei einer Agentur. Jedenfalls ist es das, was ich mir wünsche. (Pssst, ihr dürft mir da natürlich gern die Daumen drücken ;D)

Der nächste Titel, den ich selbst herausbringen möchte, ist You & Me – zwischen Vertrauen und Argwohn. Da ich gestern Nacht nicht schlafen konnte, habe ich schon angefangen, die Geschichte zu planen, habe meine Pinnwand bei Pinterest erweitert und eine Playlist erstellt (die ich im Moment auch gerade höre). Lyana wird so anders als meine bisherigen Protagonistinnen. Nicht nur, dass sie in der Öffentlichkeit die Rolle eines arroganten It-Girls spielt, sie trägt auch ziemlichen Ballast mit sich herum. Und mit Mode, Make-up und dem ganzen Kram kenne ich mich ja wirklich nicht aus. Ich kann nicht mal auf hochhakigen Schuhen laufen! Aber darin, andere mit einer Maske zu täuschen bin ich ziemlich gut, das habe ich ja mein halbes Leben lang gemacht. Deshalb werden wir beide das schon hinbekommen. Und mit Spencer habe ich mich auch schon angefreundet, nur ist es zwischen ihm und Ally ein wenig … schwierig. Um es freundlich auszudrücken. Ich freue mich jedenfalls darauf, bald wieder nach New York zu reisen!

Für alle Projekte, die bei mir noch anstehen, werde ich übrigens versuchen über eine Agentur zu gehen, bevor ich sie selbst herausbringe. Ich bin einfach keine SPlerin. Dazu fehlt es mir an der Fähigkeit, mich selbst und meine Bücher zu vermarkten und auch an Selbstvertrauen. Ich bin eben das Exemplar: Möchte nur im stillen Kämmerlein schreiben. Aber das ist heute ja kaum mehr möglich. Und wenn man in dieser Branche nicht bereit ist, über seinen Schatten zu springen und sich in ein gutes Licht zu rücken, kann man auch gleich einpacken. Sollte man zumindest. Aber in manchen Dingen bin ich eben unbelehrbar. Denn in den letzten Tagen habe ich mal wieder beide Seiten des Autorenlebens gekostet. Die schlechten mit den Selbstzweifeln und der Panik, die mit den Gedanken »Warum mache ich das eigentlich? Und weshalb werfe ich nicht einfach hin?). Aber auch die guten Seiten mit der Vorfreude und Zufriedenheit. Und um es mal mit den Worten von Daria Evans’ zu sagen:

Und trotz aller Schwierigkeiten und Zweifel freue ich mich schon auf die Herausforderungen, die noch vor mir liegen.

7 Kommentare zu „Über neue Wege

  1. Wow! Richtig richtig toll! Gratuliere! Das ist ein schöner Beitrag und ich freue mich immer wenn das jemand schafft. Wenn ich dich irgendwie unterstützen kann schau mal auf meinem Buchweltmagazin die Angebote für Autoren durch! Übrigens ein richtig toller Blog!

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