Allgemein · Über das Schreiben

Die rettende Welt der Worte

Ich habe es versprochen, also sitze ich hier und tippe diesen Beitrag. Und während ich das tue, schwitze ich, bin unruhig, frage mich, ob das wirklich so klug ist, was ich da mache, dabei kenne ich die Antwort: Nein, es ist nicht klug, es ist sogar überaus dämlich, denn ich kenne das, was danach kommen wird nur zu gut. Aber es zu verheimlichen bringt auch nichts, denn irgendwann fällt es eben immer auf. Ob es nun auf einer Messe ist, wenn man mich live sieht oder eben mein zögerndes Verhalten im Internet. Man wird mich als komisch abstempeln, ob man mein „Geheimnis“ nun kennt oder nicht. Also los, bevor ich es mir noch anders überlege.

Der erste Schritt besteht wohl darin zu sagen: Es ist nicht meine größte Schwäche, sondern eine Behinderung und sie begleitet mich schon seit meiner Geburt. Hätten die Ärzte damals mal klartext gesprochen und nicht immer von einer „Krankheit“ gefasselt, hätte meine Familie vielleicht verstanden, dass ich etwas habe, was sich nicht heilen lässt und irgendwann von selsbt verschwindet, sondern eine Behinderung, die immer weiter fortschreitet, bis mein Sehnerv komplett von mir verabschiedet.

Opticus Atrophie.

So nennt man das. Doch da meine Augenärzte eigentlich nur mit meiner Familie gesprochen haben, weiß ich darüber nur das, was man so im Internet findet. Ich weiß nicht mal, welche Form genau ich habe, aber irgendwie spielt das auch keine Rolle. Es ändert nichts an den Erfahrungen, die ich gemacht habe oder an dem Schmerz, dem Selbsthass. All diese Gefühle brodeln in mir und manchmal kann ich sie kaum kontrollieren, doch ich will nicht vorgreifen.

Mein „gutes“ Auge konnte einmal 20% Sehleistung bringen. Das liegt über zwanzig Jahre zurück – und wenn man es mal so betrachtet, kann ich wirklich froh sein, dass dieser Prozess so langsam aböäuft. Mein linkes Auge dagegen war bei 7%, was eigentlich bedeutet das es nutzlos ist. Stellt euch einfach folgendes Szenarie vor: ihr könnt Farben und Formen erkennen, aber nicht mal lesen, wann die Straßenbahn kommt, wenn ihr direkt vor der Anzeige steht. Ihr bemerkt nicht, wenn sich euch von links jemand nähert, weil euer Gesichtsfeld eingeschränkt ist, müsst also ständig den Kopf drehen, um alles mitzubekommen. Zudem habe ich blinde Flecken überall in meinem Gesichtsfeld, die mein Gehirn nur ausfüllen kann, weil meine Augen ständig in Bewegung sind. Beim rechten ist es nicht ganz so schlimm, mit dem kann ich sogar lesen, aber auch nicht gut. In einem normalen Klassenzimmer in der ersten Reihe sitzen hat mir weder dabei geholfen das zu lesen, was an der Tafel stand, noch mich mit dem Overhead-Projektor anzufreunden (Gott, ich hasse dieses Teil noch heute!!!).

Lustigerweise war mir während meiner gesamten Kindheit gar nicht so bewusst, dass mit mir etwas nicht gestimmt hat. Klar, ich saß näher am Fernseher und habe manche Dinge nicht gesehen (wie oft ich vor eine Glastür geknallt bin, kann ich gar nicht mehr zählen), aber im Grunde dachte ich, ich sei normal. Erst als ich in die Grundschule kam wurde mir bewusst, dass ich das nicht bin. Ganz und gar nicht. Und ab da waren mir die Besuche beim Augenarzt ein graus. Das ständige „Du musst dich nur mehr anstrengen, dann siehst du auch alles“ von den Ärzten und meiner Familie waren kaum zu ertragen. Ich HABE mich angestrengt. Ich habe wirklich alles versucht, um besser zu sehen, doch es hat einfach nichts gebracht. Und jedes Mal danach die Vorwürfe. Es war einfach nur schrecklich und es hat mich zerstört, weil ich nicht begriffen habe, was ich falsch mache.

Und dann dieses Gefühl anders zu sein, ausgestoßen zu sein und nicht dazuzugehören, weil etwas mit mir nicht stimmte, das ich selbst nicht mal verstehen konnte. Seit dieser Zeit, meinem siebten Lebensjahr, bin ich eine Außenseiterin, ein Opfer, und das ist bis heute noch so. Überall wo ich hingehe wiederholt es sich. Es nimmt einfach kein Ende, denn Kinder – allgemein Menschen – sind grausam und stürzen sich auf die Schwächen anderer. Erbarmungslos und nur zu ihrem eigenen Vergnügen- Zumindest dachte ich damals so und selbst heute kann ich keinen Grund finden, weshalb ein anderer Mensch so grausam sein kann.

Richtig schlimm wurde es im Gymnasium. Hämisches Gelächter, gemeine Sprüche. Dabei wusste niemand von meiner Behinderung, doch sie war eben allzu offensichtlich. Aber ich gab vor jemand anderes zu sein. Zwang mich zu lächeln und all das zu ertragen, zumindest bis ich zu Hause war und heulend in meinem Zimmer zusammenbrach. Jeden. Verdammten. Tag. Irgendwann war der Druck, den ich durch das Mobbing ertragen musste, so gewaltig, dass ich Angst davor bekam in die Schule zu gehen. Es gab nichts, womit ich mich ablenken konnte, denn wenn ich in der Öffentlichkeit las, hagelte es noch mehr dumme Kommentare und noch mehr Gelächter. Also flüchtete ich mich in meine Fantasie. Bis ich zu Hause war und in die Welt der Bücher abtauchen konnte, spann ich sie in Gedanken weiter. Ich träumte mich hinein, hörte in den Pausen Musik und verschwand in ein vollkommen anderes Reich. Es war eine Flucht und nur das gab mir die Kraft überhaupt weiter zu machen.

Es war befreiend nicht mehr ich selbst sein zu müssen, das Leben von anderen führen zu können. Irgendwann lebte ich nur noch in diesen Welten und die Realität war nichts weiter als ein Albtraum, dem ich so oft wie möglich entfliehen wollte. Ich fing an, die Geschichten aufzuschreiben, um sie aus meinem Kopf zu bekommen und Platz für neue zu schaffen. In der Schule sackte ich ab, bekam nur noch schlechte Noten, doch das war mir ganz egal, solange ich mir meine Kopfhörer aufsetzen und fliehen konnte. Leider lassen sich die Folgen von Mobbing nicht so leicht verdrängen und die Sprüche meiner Mitschüler verfolgten mich bis in meine Träume. Man sollte meinen, Jugendliche wissen, was Worte anrichten können, was so etwas aus einem Menschen macht, doch sie haben nicht aufgehört. Und offiziel gab es an der Schule kein Mobing. Ich würde mir das nur einbilden. Schließlich war ich diejenige, die in einer Therapie landete. Die Psychologin versprach mir, am Unterricht teilzunehmen und mit denen zu reden, die mich schickanierten, aber sie kam niemals vorbei. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schlimm das war, wie einsam ich mich fühlte. Meine Familie dachte, ich würde übertreiben, sie sagten mir, ich solle mich doch durchsetzen, aber ich konnte nicht. Das einzige, was mir half, waren meine Geschichte. Das Streben nach einer besseren Welt, die ich selbst erschaffen hatte.

Irgendwann bekam ich einen Schwerbehindertenausweis (80%), der mir einige Vergünstigungen einbrachte. Ich zahle zum Beispiel nur 80 € im jahr und kann in ganz Deutschland kostenlos Zug, bahn und Bus fahren (IC, ICE und D-Zug ausgeschlossen). In Zoos, auf Messen oder im kino komme ich entweder kostenlos rein oder ich zahle nur die Hälfte. Meine Begleitperson hingegen zahlt überhaupt nichts. Und ja, ich brauche eine Begleitperson, da es mir schwerfällt, mich zu orientieren oder den Verkehr wahrzunehmen. Nicht mal einkaufen kann ich alleine (Da fallen mir wieder einige lustige Geschichten ein, wie ich in einigen Freizeitparks verloren gegangen bin. Rückblickend betrachtet waren sie gar nicht lustig. Zumindest für mich …). Aber der Ausweis änderte auch nichts, er machte mir nur klar, was ich bin: NICHT NORMAL: Dabei habe ich mir schon als Kind nichts mehr gewünscht, als zu sein wie alle anderen und noch heute ist es mein sehnlichster Wunsch. Ein Wunsch, der sich wahrscheinlich niemals erfüllen wird.

Aber zurück zum Thema: Schulzeit. Tja, irgendwann wurde ich so schlimm, dass ich körperlich krank wurde. Ständig hatte ich irgendetwas, konnte zu Hause bleiben und mich in meiner Fantasiewelt verschanzen, bis ich irgendwann gezwungen war, mich meinen Dämonen erneut zu stellen. Schließlich half es mir auch nicht mehr, wenn ich mich abgekapselt habe. Der innere Schmerz, den ich empfand, weil ich jeden Tag gemobbt wurde, war einfach zu groß. So groß, dass ich nur die Möglichkeit sah mich ganz langsam selbst zu zerstören. Selbstverletzendes Verhalten und hungern, bis ich nur noch ein Klappergestell war, waren die nächsten Dinge, die mir ein wenig Trost verschafft haben. Immerhin hatten meine Mitschüler jetzt einen Grund über mich zu lästern, den ich verstehen konnte, für den ich selbst verantwortlich war. Das hat sich irgendwie besser angefühlt. Bis auch das nichts mehr half.

Ich war einfach kaputt. Vollkommen zerstört. Seelisch am Ende. Und zu dem Schmerz und der Angst in mir gesellte sich ein anderes Gefühl: Hass. Bisher hatte ich nur mich selbst gehasst, doch nun übertrug ich diese Empfindung auf alle, die mich verletzten. Auf die Mädchen, die gesund waren, die all das hatten, was ich wollte und niemals bekam. Warum zum Teufel haben sie das gemacht? Sie hatten doch alles! Sie sahen gut aus, hatten Freunde, genug Geld, um mit Markenklamotten herumzulaufen. Weshalb muss man dann dennoch einen anderen Menschen zu grunde richten? Die Frage stelle ich mir bis heute, aber darauf gibt es keine Antwort. Wahrscheinlich kennen die Mädchen, die mir das angetan haben, nicht mal den Grund. Es war eben einfach so und sie hatten jede Menge Spaß.

Währenddessen wurden meine Augen immer schlechter. So wie auch meine Noten. Wie sollte ich auch beim Schulstoff mithalten, wenn ich nicht lesen konnte, was die Lehrer da an die Tafel schrieben? In der 12. Klasse brach ich schließlich ab, wendete mich an meine Augenärztin, die mich in ein Berufsbildungswerk für Blinde und Sehbehinderte schickte. Aber wenn ihr jetzt denkt, dass ich dort nett aufgenommen wurde und alles gut war, irrt ihr euch. Denn selbst unter Menschen, die ebenfalls behindert waren, war ich noch das Opfer. Irgendwie Ironie, dass wir immer etwas finden, wofür wir andere fertig machen können. Irgendwie war es auch meine Schuld, denn ich habe diese Rolle angenommen. Schon an meiner Haltung konnte man sehen, wie verschüchtert ich war. Wenn ich den mund aufgemacht habe, kam nur ein Flüstern heraus. Wie soll man so einen Menschen auch nicht fertig machen?

Niemand kann sich vorstellen, wie wertlos ich mich damals gefühlt habe. Als ich schließlich nach 11 Monaten in meine Heimat zurückkehrte, hatte ich immerhin meinen Frieden mit meiner Behinderung gemacht. Oder zumindest war der Grundstein dafür gelegt. Ich beschloss, die Worte meiner Augenärztin in den Wind zu schlagen und es allen zu zeigen. „Du kannst kein Abitur machen!“ Na DAS wollen wir doch erst mal sehen. Also schrieb ich mich an einem beruflichen Gymnasium für eine Fachrichtung ein, in der ich auf grund meiner Behinderung niemals würde arbeiten können: Gesundheit und Soziales.

Wahrscheinlich werdet ihr es erraten: Auch da wurde ich gemobbt. Zwar nicht aufgrund meiner Krankheit (zumindest nicht von meiner Klasse), sondern wegen anderer Dinge, aber so langsam hatte ich die Schnauze gestrichen voll. Ich versteckte mich nicht mehr hinter einer Maske, war ehrlich was meine Schwäche anging und bekam Hilfe von den Lehrern, dem Schulleiter und einigen Mitschülern. Und ich habe es geschafft. Es hat 3 verdammte Jahre gedauert, ich war sechs Jahre zu spät, aber ich habe mein Abitur bekommen und auch ein klein wenig Selbstvertrauen. Zum ersten Mal habe ich gemerkt, wie wichtig Lehrer sind. Ich hatte eine wahnsinnig engagierte Klassenlehrerin, einen tollen Deutschlehrer und auch sonst hatten viele Verständnis für meine Situation. Es war unglaublich und ich bin bis heute noch unendlich dankbar dafür.

Trotz allem kämpfe ich aber immer noch. An manchen Tagen mehr, an anderen weniger. Manchmal komme ich kaum aus dem Bett, weil meine Gefühle mich so überwältigen und es gibt Wochen, da denke ich, dass ich wirklich wertlos bin. Doch das Einzige, was mich seit der Grundschule immer begleitet hat, war das Schreiben. Denn irgendwann wanderten die Worte aus meinem Kopf auf das Papier und das fühlte sich so unvorstellbar gut an. So vollständig, rein und richtig, dass ich seit damals den Wunsch habe Autorin zu werden. Worte haben mich gerettet, mich davor bewahrt mir schreckliche Dinge anzutun und der Wunsch, genau das auch für andere zu tun, ihnen durch eine schwere Zeit zu helfen und ihnen Hoffnung zu schenken, der treibt mich an. Alles, was ich will, ist schreiben.

Irgendwann sagte mein Mann: „Dann versuch es doch einfach. Schreib ein Buch und veröffentliche es.“

Und das machte ich dann auch. Das Schreiben ist für mich kein Hobby und auch kein Job, es ist eine Berufung. Es ist alles was ich habe, was ich jemals wollte und das, was immer mein großer Traum sein wird. Und genau deshalb gebe ich es nicht auf. Das kann ich gar nicht, denn wenn ich es tue, kommen die Erinnerungen zurück. Ohne das Schreiben bin ich nur eine sehnbehinderte Frau ohne Perspektiven.

Wie ihr seht bin ich innerlich immer noch zerstört. Mein Selbstbewusstsein ist am Boden, Menschen schüchtern mich ein, machen mir Angst. Wahrscheinlich wird sich das nie ändern, denn diese Mädchen haben etwas in mir kaputt gemacht, was sich nicht reparieren lässt. Ich bin eine zutiefst misstrauische, paranoide Frau, die nur das Schlechte erwartet. Komplimente kann ich nicht ausstehen, weil ich immer nach dem Haken suche, Freundlichkeit ist mir suspekt, weil ich denke, dass sie nur vorgespielt ist. Und Mitleid hasse ich wie die Pest. Es gibt nichts Schlimmeres als „Oh, das tut mir aber leid.“

Bei all dem mache ich mir nichts vor. Vielleicht kann ich das irgendwann abstellen, vielleicht nicht. Was ich aber schaffen MUSS, ist gegen den Selbsthass anzukämpfen, denn der bringt meine selbstzerstöerische Seite zum Vorschein. Ich kann nichts für meine Behinderung, also bringt es auch nichts, mich dafür zu bestrafen.

Vielleicht versteht ihr ja jetzt, weshalb es mir schwerfällt, etwas von mir preiszugeben (das könnte man gegen mich benutzen) oder warum ich so zurückhaltend bei Facebook und Co. bin. Früher gab es keinen Satz, in dem ich mich nicht schlecht gemacht habe und plötzlich in die Welt hinaus zu kreischen, dass ich ein Buch geschrieben habe und dafür Werbung zu machen, stolz zu sein, das bin eigentlich nicht ich.

Weil ich damit aufgewachsen bin, dass ich mich verstecken muss, mich schämen muss für das, was ich bin. Behindert. Natürlich ist es nicht dieses Wort, das mich bestimmt. Meine Krankheit macht mich nicht aus, aber sie überschattet doch viele Bereiche meines Lebens und ich kämpfe jeden Tag dagegen an. Dennoch habe ich Hoffnung darauf, dass ich irgendwann meinen Traum leben kann, auch noch, wenn ich blind bin. Googlet mal „Helen Keller“. Sie ist eine taub-blinde Schriftstellerin und der Inbegriff einer Kämpferin. Aber … das bin ich auch. Auf eine ruhige, zurückhaltende Art, doch aufgeben gehört nicht in meinen Wortschatz. Wäre es anders, hätte ich längst den einfachen Weg gewählt. Habe ich aber nicht. Werde ich auch nie. Es gibt Dinge, Menschen, für die es sich lohnt zu leben, auch ohne Augenlicht. Und so ende ich mit einem Zitat aus Between:

Es sind die kleinen Dinge, die uns glücklich machen. Ein Kuss, eine sanfte Berührung und Worte, die zeigen, wie viel wir einem anderen bedeuten. Glück ist der liebevolle Ausdruck in den Augen eines Partners, das Lachen eines geliebten Menschen. Glück ist überall. Wir müssen nur danach suchen. Und so schwer es manchmal auch ist. Es lohnt sich. Immer.

3 Kommentare zu „Die rettende Welt der Worte

  1. Liebe Jenny,

    ich finde es sehr bewundernswert und mutig von dir, so offen darüber zu reden. In jedem deiner Sätze merkt man dir deine Kämpfernatur an und es ist der Wahnsinn, wie weit du schon gekommen bist. Gib nicht auf und konzentrier dich auf die schönen Seiten. Wie du schreibst: das Leben hat so viele andere Sachen, die glücklich machen können. 🙂

    Das Zitat ist toll. ❤

    Alles Liebe und weiter so!
    Kim

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Kim,

      Ich habe heute schon so oft gehört, dass es mutig war, den Artikel zu posten, dabei hatte ich ziemlich große Angst davor. Allerdings kann ich kein Verständnis von anderen erwarten, wenn ich einen Teil meiner Selbst verstecke. Ich kann nicht in meinen Geschichten darüber schreiben, sich zu akzeptieren, wenn ich das selbst nicht kann. Also musste es raus. Als eine Art Therapie. Damit ich irgendwann zu der Person werde, dich ich gern sein würde. 🙂

      Danke für deine lieben Worte!

      Liebe Grüße
      Jenny

      Gefällt 1 Person

  2. Hallo liebe Jenny,

    ich überlege schon seit gestern, was ich dir in den Kommentar schreiben kann. Ich möchte mir keinesfalls anmaßen zu sagen „ich verstehe dich“. Ich kann mich hineinfühlen in deinen Schmerz, aber ich habe absolut keine Ahnung, wie ein Leben mit so einer Einschränkung möglich ist und daher wäre es falsch, wenn ich so tue.

    Mich hat schon zu Beginn des Artikels wütend gemacht, wie die Ärzte mit dir umgegangen sind. Dass Patienten keine wirkliche Aufklärung über ihre Beschwerden erhalten, ist leider normal geworden. Das kann doch einfach nicht sein! Wozu jammern die Medizinstudenten rum, dass ihr Studium das härteste von allen ist, wenn sie das erworbene Wissen nicht anwenden? Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht und Google ist da leider keine Hilfe. Im Gegenteil.

    Es ist grausam, dass man dir unterstellt, du solltest dich einfach nur anstrengen. Das Gleiche habe ich in einem anderen Zusammenhang auch gehört und es ist furchtbar, wenn man gegen die eigenen Grenzen arbeitet, diese aber weder kennt, noch sieht oder einschätzen kann. Das führt doch zwangsläufig nur dazu, dass man sich selbst verachtet. Sich fragt, was nicht stimmt und das alles unter dem tierischen Druck, unter dem man steht. Du hast da mein absolutes Mitgefühl.

    Du hast es ja auch schon in meinem Post gelesen – ich bin, genau wie du, auch immer eine Außenseiterin gewesen. Zwar aus anderen Gründen, aber angeeckt bin ich ebenfalls. Was das mit einem macht, wegen etwas gehasst und gemobbt zu werden, wofür man nichts kann, das ist furchtbar. Das sind Schäden, die so tiefe Wurzeln schlagen, dass du ewig damit beschäftigt bist, sie zu entfernen. Doch Unkraut vergeht nicht … umso bewundernswerter finde ich es, dass du dir gesagt hast „denen zeige ich es“ und nicht aufgegeben hast.

    Umso wichtiger, schöner, tröstlicher ist es, dass du etwas gefunden hat, was ich aus alledem rausholt. Dass das Schreiben für dich eine Rettung, Zuflucht und Erlösung war. Das kann ich mir sehr gut vorstellen und ich freue mich, dass du diesen Rettungsanker hattest. Dass du einen Mann hast, der so hinter dir steht und dir den Rücken stärkt.

    Ich finde es auch toll, dass du gute Worte über die Lehrer verloren hast, die dir geholfen haben und nicht alles schlecht und grausam war, sondern dass die Lichtblicke, die es eben auch gab, betonst.

    Ich glaube, du unterschätzt, wie stark du bist. Wie viel Durchhaltevermögen, Kraft und Disziplin du hast. Ich bezweifle, ob ich nach allem, das Abitur an deiner Stelle durchgezogen hätte. Dass du das geschafft hast, find ich echt krass. Du hast da meinen vollsten Respekt.

    Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass du dich selbst irgendwann akzeptieren kannst, so wie du bist. Ich kenn dich zwar nur flüchtig, aber was ich bisher so gesehen und gelesen habe, war immer zuvorkommend, freundlich, hilfsbereit und zugewandt. Du hast keinen Grund, dich selbst so negativ zu sehen, egal, was passiert ist. In dir schlummert ein toller Mensch, dem du mehr Gelegenheiten geben solltest, sich zu offenbaren.
    Halte durch und bleib stark. Du schaffst das. Da bin ich mir ganz, ganz sicher.

    Ganz liebe Grüße und viel Erfolg bei allem, was du dir vornimmst,
    Sarah

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