Über das Schreiben

Von der Idee zum fertigen Text VII – Das Fazit

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Nach über einem Jahr schreiben gibt es viele Dinge, die sich verändern. Der Arbeitsprozess entwickelt sich weiter, neue Schritte kommen hinzu, es findet ein Austausch mit anderen Schreiberlingen statt, von denen man unheimlich viel lernen kann. Deshalb möchte ich heute noch mal auf jeden Punkt eingehen und auch über Dinge wie Buchsatz und den „Veröffentlichungsprozess“ reden.

Plot

Inzwischen habe ich mehrmals versucht, auch ohne Plot zu schreiben, bin damit aber immer auf die Nase gefallen und habe mich hinterher schwarz geärgert. Allerdings habe ich herausgefunden, dass ich es bei jedem Projekt anders mache. Bei Fantasy nutze ich immer noch eine ausführliche Methode, schreibe 80-120 A5 Seiten voll und gehe stark ins Detail, obwohl sich dann am Ende meist alles ändert, aber dem roten Faden bleibe ich treu. Bei Romance plotte ich nicht so stark. Ich habe meine Charaktere, habe die Grundidee meiner Geschichte und für jedes Kapitel einen Satz oder einen Absatz, doch ansonsten dürfen die Charaktere machen, was sie wollen. Ist manchmal nicht so einfach, aber bei Between hat es funktioniert. Beim aktuellen … eher weniger. Ihr seht also, ich habe keine feste Methode, mit der ich arbeite, nutze meist die 7-Punkte-Struktur von Dan Wells, um eine große Richtung zu finden und passe alles danach an das jeweilige Projekt an. Kein optimaler Arbeitsprozess, aber es passt eben nicht, wenn man einer Geschichte etwas aufdrängt, das würde sie nur kaputt machen.

Motivation

Finde ich immer noch überall. Oftmals nach Gesprächen mit meinem Mann oder Kollegen, die mir meine Zweifel nehmen und mir dabei helfen den Kopf frei zu bekommen. Aber ich gebe gern zu, dass bei jedem Projekt der Punkt kommt, an dem die Anfangseuphorie schwindet und ich mich zwingen muss, weiterzuschreiben. „Es ist nur eine Rohfassung, das kann ich alles noch ändern!“ ist ein gutes Mantra, aber auch das funktioniert nicht immer, weshalb ich mein aktuelles Projekt schon im dritten Anlauf schreibe, was einfach nur noch frustrierend ist. Vor der Messe war ich krank, in Leipzig habe ich kein Wort geschrieben und eigentlich bin ich immer noch krank, aber ich darf einfach keine Pause machen, sonst wird das nie was. Deshalb muss ich mich in den letzten Tagen richtig zwingen, mich hinzusetzen und zu schreiben (bis es dann wirklich nicht mehr geht, aber Hauptsache, ich habe überhaupt etwas gemacht). Musik ist immer noch sehr hilfreich und inzwischen habe ich mehrere Playlists auf unterschiedlichen Geräten, damit auch ein bisschen Abwechslung drin ist (je nach Projekt).

Das Schreiben

Sobald ich anfange, an einer neuen Idee zu arbeiten, bin ich total begeistert, die ersten Worte fliegen nur so auf das Papier, die Seiten wachsen und ein neues Kapitel reiht sich an das andere, doch irgendwann kommt ein Punkt, da meldet sich der innere Kritiker und ich finde alles nur noch blöd. Um das so weit wie möglich hinauszuzögern, versuche ich, die Rohfassung so schnell wie möglich zu beenden, doch manchmal klappt das einfach nicht, dann schaltet sich mein Kopf zu früh ein und ich beginne zu grübeln. Über die Charaktere, den Plot und alles andere. Das ist tödlich, denn ich schreibe zu gern „aus dem Herzen heraus“. Ich versetze mich so sehr in die Geschichte hinein, dass ich alles sehe und fühle, wie meine Protagonisten, was mich manchmal an den Rand des Abgrunds treibt und im Augenblick auch darüber hinaus. Es gibt Themen, die sind so viel größer als ich, jedoch auch so wichtig, dass ich einfach darüber schreiben muss. Es ist ein Drang, den ich in mir trage und dem ich nachgebe, weil es nicht anders geht. Versteht mich nicht falsch, ich liebe es zu schreiben und sehe es meistens nicht als Arbeit, doch manchmal ist es wahnsinnig hart. Noch dazu mache ich mir selbst so viel Druck, dass ich ihn manchmal nicht ertragen kann. Ich weiß nicht, ob es auch andere Autoren gibt, die es spüren, aber manchmal ist da ein Gefühl, das mich beinahe erdrückt. Da sind so viele Charaktere, die warten, so viele Geschichten, die erzählt werden wollen und ich kann all dem nicht gerecht werden, weil ich nicht einmal mir selbst gerecht werden kann. Manchmal frage ich mich wirklich, weshalb ich mir das antue, doch dann wird mir klar, dass ich keine andere Wahl habe, weil es schon immer so gewesen ist und auch immer so sein wird. Den Welten in meinem Kopf kann ich nicht entkommen (habe es versucht, bin gescheitert).

Die Probleme

Sind so individuell wie die Projekte selbst und es tun sich ständig neue auf, die mich an den Rand des Wahnsinns treiben. Ich kann euch Geschichten erzählen, bei denen ich in Tränen ausgebrochen bin, weil ich so verzweifelt war und nicht mehr wusste, was ich machen sollte, aber das kommt dann wohl, wenn die Punkte an der Reihe sind. Aber zu glauben, dass es bei jedem Buch besser wird, dass die Zweifel verschwinden, ist naiv. Wenn jemand – wie ich – an allem zweifelt und so selbstkritisch ist, dass er jedes Wort (von sich selbst) auf die Goldwage legt und sich für alles die Schuld gibt, wird man das niemals los, so sehr man sich auch bemüht. Zweifel sind in Ordnung, sie bringen mich voran, aber wenn es zu viele werden, kann mich das hemmen und das führt zu einer Schreibblockade. Ein Teufelskreis, aus dem man nicht mehr so schnell herauskommt. Die Probleme überwiegen alles andere, dennoch mache ich weiter, weil ich – wie gesagt – gar nicht anders kann.

Die Überarbeitung

Bei Between hatte ich nur eine Woche zwischen dem Schreiben und der ersten Überarbeitung, weil ich mir eine Deadline gesetzt habe, die ich wahrscheinlich auch hätte einhalten können, wenn ich etwas länger gewartet hätte. Bei diesem Arbeitsschritt habe ich eine feste Vorgehensweise, die sehr intensiv ist und sehr langwierig. Zuerst bearbeite ich die Story mit Papyrus am Rechner, suche nach Szenen, die ausgebaut werden müssen, aber auch nach allem, was weg kann. Ich lösche viel, vollkommen schmerzfrei und nach Bauchgefühl. Manchmal mehrere tausend Wörter, schreibe um, will es besser machen. Danach drucke ich das ganze aus, überprüfe die Charaktere, den Plot und alles andere. Da kommen noch mal viele Dinge dazu, die ich verändere und in das Dokument übernehme, bevor ich es dann an meinem Mann gebe, der einer meiner ersten Testleser ist. Nachdem auch seine Anmerkungen eingearbeitet sind, geht es an die anderen Testleser, doch damit ist die Überarbeitung nicht abgeschlossen, denn es fehlt noch das Lektorat. Als nächstes (nach den Betalesern) ziehe ich mir die Datei auf den Kindle, um es so zu bearbeiten, als wäre das Buch nicht von mir. Dann geht es daran, das Probeexemplar zu setzen, um es noch einmal durchzugehen, bevor es dann richtig gesetzt wird (und eigentlich veröffentlicht werden kann).

Der Buchsatz

Inzwischen habt ihr vielleicht schon bemerkt, dass ich ein wenig neurotisch bin (so ganz leicht xD). Und es ist eine von vielen Eigenschaften, die eigentlich nicht zu einem Autor passen (als den ich mich noch immer nicht sehe, aber das ist ein anderes Thema) und alles noch schwieriger machen. Das zeigt sich bei jedem einzelnen Schritt. Für den ganzen Prozess (von der Idee, bis zur Veröffentlichung) brauche ich viel länger als die meisten Kollegen, obwohl ich meistens eine Rohfassung innerhalb von 4-6 Wochen herunter schreibe. Es ist beinahe so, als wolle ich gar nicht veröffentlichen und als würde ich nach einem Grund suchen, es immer wieder hinauszuzögern (immerhin habe ich hier ein Manuskript, dass schon ein Jahr lang fertig ist …) und beim Buchsatz bin ich dann vollkommen abgedreht. Das meine ich sogar wörtlich. Erst habe ich 20 Stunden versucht, eine Silbentrennung ins ebook zu bekommen, um dann herauszufinden, dass Amazon das macht (allerdings habe ich jetzt ein Programm, um es selbst zu machen, damit es auf dem Reader hübscher aussieht -> Zwangsstörung eben) und danach ging es daran, die Bilder richtig darzustellen (und ja, da habe ich mich auch angestellt, denn meine Version von Indesign ist irgendwie anders und die Anleitungen haben nicht gepasst). Dann war – endlich – das ebook fertig (mit ein paar Dingen, die mich immer noch wahnsinnig störten, von denen ich aber keine Ahnung habe, wie ich sie umstelle, auch jetzt noch nicht) und ich wollte mich an das Print setzen. Ich saß auch dran. Wochen. Weil manche Wörter unschön getrennt waren, manchmal waren die Abstände zwischen den Worten zu groß oder zu klein und … puh. Irgendwann musste ich dann Kompromisse eingehen, weshalb ich einfach hoffe, dass es beim nächsten Mal einfacher wird und schneller geht. Aber ich hatte eben den Anspruch, es so gut wie möglich zu machen (darüber, ob ich es geschafft habe, lässt sich streiten XD) und wollte kein 520 Seiten Buch, weshalb es sehr eng gesetzt ist. Kleine Schrift, kleine Seitenränder und so weiter. Da Between meine bisher kürzeste Geschichte ist, wird mich der Buchsatz bei den anderen Werken noch mehr in den Wahnsinn treiben.

Veröffentlichung

Sobald der Button angeglickt war, habe ich hyperventiliert und das ist immer noch so, wenn jemand über mein Buch spricht und ich irgendwo Bilder sehe. Dann will ich mich in ein Lock verkriechen und wieder wie die graue Maus leben, die ich vor ein paar Jahren gewesen bin: Ohne Kontakte, in meiner eigenen Welt und stumm wie ein Fisch. Manchmal vermisse ich diese Zeit, dennoch war es das Mutigste, was ich je in meinem Leben getan habe und ich bin immer noch wahnsinnig stolz auf mich selbst, weil ich mich getraut habe, Between auf die Welt loszulassen. Allerdings ist der Druck jetzt noch höher, meine eigenen Ansprüche sind gestiegen, wodurch es noch schwerer wird. Gut, dass es bis September noch ein paar Monate sind und ich mich seelisch auf die nächste Veröffentlichung einstellen kann (sollte ich dieses Buch jemals fertig schreiben. Es macht mich so fertig *weint leise vor sich hin*).

Fazit

Ein Buch zu schreiben ist harte Arbeit, das wusste ich von Anfang an, allerdings hat es mich überrascht, dass der ganze Prozess – ohne das eigentliche Schreiben – viel mehr Zeit und Aufwand einnimmt, als sich hinzusetzen und wie eine Irre zu tippen. Denn eine Rohfassung ins Dokument zu hämmern ist noch der leichte Teil. Alles davor und danach ist das, was wirklich schwer ist. Und leider wird es nicht mit jedem Buch leichter, auch wenn die Erfahrung dazu kommt, tun sich immer wieder Probleme auf, mit denen man vorher einfach nicht rechnet.

Aber ich denke immer ganz fest an ein Zitat aus Between:

Es sind die kleinen Dinge, die uns glücklich machen. Ein Kuss, eine sanfte Berührung und Worte, die zeigen, wie viel wir einem anderen bedeuten. Glück ist der liebevolle Ausdruck in den Augen eines Partners, das Lachen eines geliebten Menschen. Glück ist überall. Wir müssen nur danach suchen. Und so schwer es manchmal auch ist. Es lohnt sich. Immer.

Damit wünsche ich euch ein schönes Wochenende ❤

4 Kommentare zu „Von der Idee zum fertigen Text VII – Das Fazit

    1. Danke 😊
      Ja, so geht es mir auch. Und ich habe festgestellt, dass fast jeder Autor eine eigene Methode hat, was Planung und Struktur einer Geschichte und die Überarbeitung angeht. Aber ich tausche mich trotzdem gern darüber aus.
      Was schreibst du denn so, wenn ich fragen darf?

      Gefällt 1 Person

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