Über das Schreiben

Von der Idee zum fertigen Text VI – Die Angst

Bisher bin ich bei meinen Projekten meist nicht bis zu diesem Punkt gekommen, weshalb ich ein paar neue Erfahrungen machen konnte, die ich gern mit euch teilen würde. Von positiven Meinungen und was sie aus einer selbstkritischen Autorin machen können …

Im Dezember hielt mich das schüchterne-Maus-Syndrom in seinem eisernen Griff gefangen. Ich hatte ein Manuskript, das fertig geschrieben und sogar überarbeitet war, wollte den nächsten Schritt aber nicht gehen. Das lag ganz einfach daran, dass meine bisherigen Testleser leider keine Zeit hatten. Somit war ich gezwungen, meine Komfortzone zu verlassen, um mich nach neuen Leuten umzusehen. Gar nicht so einfach, kann ich euch sagen. Während also fremde Menschen meinen Text lasen, saß ich wie auf glühenden Kohlen. Mir war eigentlich ständig übel. Schließlich trudelten die ersten Meinungen und Fragebögen bei mir ein. Tja … ich konnte kaum glauben, was dort stand. Sollte ich mich nicht gut fühlen, wenn das Buch gelobt wird, wenn mein Schreibstil gut ankommt. Bei mir hat es aber genau das Gegenteil ausgelöst.

Ihr habt sicher langsam gemerkt, dass ich ein selbstkritischer Mensch bin. Ich bin niemals mit mir zufrieden, suche immer nach den Schwächen. So auch bei Between: Zwischen Wahrheit und Lüge. Bücher sind nun mal ebenso wenig perfekt wie Menschen. Und mit jeder neuen Mail, wurde mein Bauchgefühl schlechter.

Versteht mich nicht falsch, die Testleser haben Anmerkungen im Text und in den Fragebögen gemacht, aber wirklich negative Kritik (im Sinne von: Das ist schlecht) hat es nicht gehagelt. Kennt ihr das … wenn bei der Generalprobe alles glatt läuft, geht die Premiere schief? Oh ja, ich bin ein abergläubiger Mensch und der Knoten in meinem Bauch wird mit jedem Tag schmerzhafter. Eine leise Stimme flüstert mir beständig zu „Du wirst scheitern!“, weshalb ich mich mit allen möglichen Dingen ablenke, um nicht an den 4. März zu denken. (Und ja, wenn ihr das lest, ist das MORGEN ôO)

Danach folgte das Lektorat und auch meine Lektorin war begeistert. Inzwischen war ich richtig panisch. Also las ich das Buch selbst noch mal auf dem Kindle, machte ca. 300 Anmerkungen und arbeitete sie ein. Das Gefühl blieb. Das ebook war plötzlich vorbestellbar, der Probedruck kam bei mir an. Es wurde so richtig schlimm. Mein Puls schoss in manchen Momenten auf 130 hoch, was immer dazu führt, dass ich rasende Kopfschmerzen bekomme und zu nichts mehr zu gebrauchen bin. Also ja, ich hatte auch echte Panikattacken, die sich auf meinen Körper auswirkten. Weshalb ich den Probedruck nahm, um ihn noch mal zu lesen.

535 Pageflags später, dachte ich wirklich, nun sei alles gut, aber nein, da waren immer noch Fehlern und beim Satz gab es solche Probleme, dass ich gezwungen war umzuschreiben und zu löschen. Die Abstände zwischen den Wörtern dürfen nicht zu weit oder zu eng sein, mache Wörter werden ziemlich blöd getrennt und dann gibt es auch noch einzelne Zeilen unten oder ganz oben auf einer Buchseite, die da auch nicht bleiben können. Natürlich bekommt man das mit Indesign hin, aber es kostet eben Nerven. Und zwar Einige. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich das ebook exportiert , in Calibre umformatiert und dann bei KDP aktualisiert habe. Langsam verliere ich den Überblick und zum Schreiben komme ich auch nicht mehr.

Die Angst ist übrigens nicht weg. Am 4. März erwarte ich den Supergau. Vielleicht funktioniert das ebook nicht oder die Formatierung ist fehlerhaft oder – und damit rechne ich ganz fest – es flattern haufenweise negative Rezensionen ein. Davon habe ich in den letzten Tagen geträumt. Es war schrecklich.

Wie können andere Autoren da nur so cool bleiben? Oder bin ich gar nicht die Einzige, die wegen der Veröffentlichung einen halben Nervenzusammenbruch erlitten hat? Warum hört und liest man nie auf Facebook, wie schwer der Buchsatz ist oder wie sehr die Nerven flattern? Meine jedenfalls liegen blank. So sehr, dass mein Mann sich jetzt um den Buchsatz kümmert und ich mich für ein paar Minuten mit einer Tasse Tee zurücklehne, um Kraft für die nächste Etappe zu sammeln.

Erkenntnis: Ich werde niemals mit diesem Buch zufrieden sein. Wenn ich es noch mal lese, werde ich wieder hunderte Anmerkungen machen und Absätze umschreiben, weil ich mich eben mit der Zeit weiterentwickelt habe.Was den Schreibstil angeht, aber auch als Mensch. Doch irgendwann ist eben die Zeit gekommen, einfach loszulassen und abzuwarten, was passiert. Herzflattern und Schweißausbrüche inklusive. Sobald der Buchsatz für die Printversion also beendet ist, werde ich Between nicht mehr anschauen, außer ich habe irgendwann Lust, es einfach nur zu lesen, zu genießen. Ab dem 6. März werde ich mich der nächsten Liebesgeschichte widmen und danach endlich wieder zur Fantasy zurückkehren. Mal sehen, ob ich es irgendwann schaffe, meine 84.000 gelöschten Wörter wieder wettzumachen. Denn mein Jahresplan ist jubelnd davon gefahren und hat mich am Straßenrand zurückgelassen. Aber alles gut Wir atmen tief durch und geben der Angst nicht die Möglichkeit, uns zu beherrschen (aus mir spricht der Tee ;D).

Ich wünsche euch ein wundervolles Wochenende, während ich hibbelnd am PC sitze und mal schaue, wie Between ankommt ❤

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