Über das Schreiben

Mit Schüchternheit kommt man nicht weiter

Das habe ich in den letzten Tagen und Wochen immer wieder festgestellt. Zwar habe ich mich, was dieses Thema angeht, innerhalb von einem Jahr verändert, aber ich hadere immer noch mit mir. Es fällt mir unglaublich schwer, andere um Hilfe zu bitten oder überhaupt auf sie zuzugehen. Mag merkwürdig klingen, weil im Internet alles so viel leichter ist, aber: Nur weil ich hinter einem Bildschirm hocke, habe ich nicht plötzlich eine neue Persönlichkeit. Ich bin genau wie immer. Vielleicht liegt darin ja das Problem?

Kann ich das wirklich tun? Ist das nicht zu unhöflich? Was werden andere sagen/denken, wenn ich gewisse Dinge poste? Brauche ich eine Strategie? Diese und andere Fragen schwirren mir durch den Kopf, wenn es um den Kontakt zu Autoren/Bloggern/Lesern geht oder einfach darum, Autorin zu sein. Und ich finde einfach keine Antworten. Bis auf: Ich bin eben schüchtern und kann kein Marketing. Damit mache ich es mir recht leicht, da ich aber in ein paar Tagen mein erstes buch veröffentliche, darf es so nicht weiter gehen.

Es geht dann nicht mehr nur um mich selbst, sondern um etwas, das so viel größer ist, so viel mehr bedeutet. Wer mich kennt weiß, dass ich mich recht oft auf mein Gefühl verlasse. Obwohl ich ständig grüble, bin ich kein analytischer Mensch. Ich schreibe nach Gefühl und so bewältige ich auch den Rest meines Lebens. Aber jetzt komme ich an einen Punkt, der mich überfordert, weil er gegen meine Natür geht. Einerseits will ich meinem Buch das Beste bieten und alles tun, was es braucht, doch auf der anderen Seite bin ich nun mal ein zurückhaltender Mensch, der sich gerne versteckt. Das passt einfach nicht zusammen.

Natürlich wäre es leicht, mich selbst neu zu erfinden, mir ein Alter Ego zuzulegen. Nur wäre das bei einem Pseudonym wohl wesentlich leichter, denn so wie es ist, kann ich nicht so einfach aus meiner Haut. Und ich habe mir geschworen, mir selbst treu zu bleiben. Ich habe mich lange genug verbogen und für mich selbst geschämt, das will ich nie wieder. Also … auf meiner Auorenseite bin ich so, wie ich auch im wahren Leben bin. Schüchtern. Ich weiß nicht, was ich schreiben soll, was meine Leser – wenn da denn welche sind – interessiert. Mein Leben ist nun nicht so spannend, dass ich ständig darüber erzählen könnte. Wenn wir das als Grundlage nehmen,  stellt sich also die Frage: Komme ich unsympathisch rüber? Wirke ich auf Menschen irgendwie merkwürdig oder arrogant? Durchaus möglich. Es gibt viele Menschen, die mit meiner Art nicht klar kommen. Denn ich halte mich zwar meist zurück, aber wenn ich was zu sagen habe, dann mache ich das. Merkt ihr ja auch hier. Weshalb sollte ich mich mit meiner Meinung zurückhalten, wenn sie ein Teil meiner selbst ist?

Ich weiß, wer ich bin. Ich weiß, was ich kann. Daran gibt es auch nichts zu rütteln. Aber mich nervt es selbst, dass einige Dinge mich so viel Überwindung kosten, dass ich mich praktisch dazu zwingen muss. Werbung zu machen, mich selbst in den Mittelpunkt zu stellen, das gehört zu den Dingen, die ich nur ungern mache. Zudem gebe ich offen zu, dass ich Social Media noch nicht so ganz verstehe. Welche Beiträge regen die Leute dazu an, mit mir zu interagieren? Und passt so was auch wirklich zu mir?

Das sind Dinge, über die ich mir Gedanken machen muss, wenn ich will, dass meine Bücher nicht untergehen. Wahrscheinlich klinge ich so, als wolle ich einen Mega-Erfolg und wahnsinnig viele Likes, Kommentare und was weiß ich. Aber darum geht es mir gar nicht. Es ist wohl für jeden Frustrierend, wenn keine Rückmeldung kommt. Und ich bin eben ein Mensch, der sich verbessern will. Mir ist klar, dass ich etwas falsch mache, nur was das ist, kann ich nicht sagen. Und erst recht nicht, was ich dagegen machen kann. Darum geht es mir.

Vielleicht stelle ich mir auch die Frage, ob meine Schüchternheit und das Dasein als Autorin überhaupt zusammenpassen. Meiner Meinung nach: nein. Mir sollte endlich klar werden, was es bedeutet, dafür verantwortlich zu sein, sich um eine Veröffentlichung zu kümmern. Was nicht ganz leicht ist, wenn man einfach nur schreiben will. Ich komme super klar mit den anderen Dingen, die mich erwarten. Buchsatz, Überarbeitung und alles, was eben dazu gehört. Nur eben kein Social Media oder Marketing. Weil ich es nicht verstehe und es nicht zu mir passt.

Nun ist es aber so, dass ich mir diese zurückhaltende Art nicht länger leisten kann. Wenn ich will, dass sich mein Buch verkauft, darf ich mich nicht vor der Welt verstecken. Klar werde ich bei manchen anecken, aber das ist okay. Es gehört nun mal dazu. Aber meine Bücher sind mir wichtig und ich will in die Welt hinaus tragen, dass ich bald ein Buch veröffentliche. Meine Charaktere – und zwar alle – haben es verdient, Aufmerksamkeit zu bekommen. Mir wäre es ja lieb, wenn das Buch für sich spricht und ich mich wieder zurückziehen kann, doch so einfach läuft es eben nicht. Ich bin die Autorin und es ist verdammt noch mal meine Aufgabe mich darum zu kümmern, dass die Leute das Buch sehen.

Sprach sie und hatte immer noch keine Antworten.

Ich weiß, wie ich mit Menschen umgehen kann, die ich länger kenne. Dann bin ich offener, gelöster. Das dauert aber, bis ich diesen Punkt erreicht habe. Vor allem werde ich mich sicherlich nicht so intensiv mit Lesern austauschen, wie ich es mit einigen meiner Kollegen mache.

Es gibt so viele „Anleitungen“ was man bei Facebook posten sollte, wie lang die Beiträge sein, wann sie online gehen sollten usw. Das Problem hierbei ist – wie bei so vielen Dingen – jeder Mensch ist ein Individuum. Social Media-Strategien kann man nicht einfach generalisieren. Nicht jeder kann diese „Tips“ anwenden.

Was heißt das also für mich?

Es gibt kein Rezept, dem ich folgen kann. Meine Schüchternheit wird sich immer mit dem Drang beißen, meinen Büchern das zu geben, was sie brauchen. So leicht kann ich das auch nicht ablegen. Wäre schön, wenn ich mit dem Fingern schnippen würde, um danach sofort selbstbewusster aufzutreten. Das Einzige, was ich wirklich weiß, ist folgendes: So wie meine Autorenseite aktuell läuft, kann es nicht weiter gehen. Darunter würde Between leiden und auch jedes folgende Buch, denn machen wir uns keine Illusionen: nicht mal 200 Likes in ungefähr einem Jahr sind schwach. Mich der Illusion hinzugeben, dass sich nach der Veröffentlichung etwas ändert ist naiv. Wie sollte das auch gehen, wenn mein Buch nicht die Chance hat, die Leute zu erreichen.

Allerdings will ich niemanden mit Werbung zuspammen. Das ist einfach nicht meine Art. Genausowenig will ich über Gewinnspiele gehen. Ich will Leute erreichen, die sich für die Bücher und für mich interessieren. Also werde ich die Seite praktisch neu aufsetzen. Beziehungsweise wird es diese wöchentlichen #Plauderrunde, #FragederWoche und #SchnipselSamstag Posts nicht mehr geben. Mir würde dadurch aber ab März eine vollkommen leere Seite entgegenblicken. Innerhalb von einigen Tagen sollte mir also die Erleuchtung kommen, wonach es aber im Moment nicht aussieht.

Wie macht ihr das? Bereitet ihr Facebook-Posts vor oder postet ihr nur gelegentlich? Wie sprecht ihr mit euren Lesern, wie bringt ihr sie dazu, auf euch zu reagieren?

 

 

4 Kommentare zu „Mit Schüchternheit kommt man nicht weiter

  1. Tja, wie macht man das? Gute Frage. Mich kostet Social Media verdammt viel Zeit, die ich häufig lieber zum Schreiben verwenden würde. Was es tatsächlich bringt, kann ich noch nicht abschätzen. Aber ohne Social Media hätte ich vermutlich nur drei Bücher verkauft, denn ich kenne genau drei Menschen mit eReadern, die wissen, dass ich schreibe. Alle anderen haben kein passendes Lesegerät. Ich glaube, das erste Buch ist bei einem unbekannten Autor immer das mit dem geringsten Starterfolg. Bereite dich auf einen langen Atem vor und freu dich über alles, was klappt. Beim nächsten Buch hast du schon eine größere Fanbase und alles geht etwas leichter… beim dritten Buch… naja ich denke, du weißt worauf ich hinaus will, oder?

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    1. Ich weiß ganz genau, was du meinst, obwohl sich das bei mir sicher etwas anders verhält, weil meine Veröffentlichungsrate ja eher … mau ist xD Wird quasi so, als würde ich jedes Mal „das erste Buch“ veröffentlichen. Zumindest, was die Fanbase betrifft.

      Aber mir geht es hierbei gar nicht so sehr um Werbung für das Buch, sondern mehr um den Social Media-Auftritt allgemein. Wie wirke ich auf die Leser, was erwarten sie von mir? Was mögen sie gern? Im Moment folgen mir hauptsächlich andere Autoren. Die wollen ganz anderen „Content“ als ein gewöhnlicher Leser. Da ich aber auch nicht nur Leser bin, kann ich die Fragen für mich selbst nur schwer beantworten. MICH interessiert es, wenn anderen Autoren über ihren Arbeitsprozess schreiben, über die kleinen und großen Tücken im Alltag. Die meisten Menschen finden das aber wahrscheinlich ziemlich langweilig.

      Und dann gibt es so viele Does and Dont’s was Marketing betrifft. Da blicke ich nicht mehr durch. Deshalb stöbere ich mich durch FB-Seiten, schaue mir die Posts anderer Autoren an, aber viel schlauer bin ich bis jetzt nicht^^

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      1. Wie gesagt, mir geht es da genauso. Ich habe wohl auch vornehmlich andere Autoren unter meinen Followern. Solange du keine Ware anbietest, wird es sicher schwer Leser anzusprechen. Deshalb ist dafür wohl das erste Buch notwendig…

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