Über das Schreiben

Worte haben Macht

„Aus großer Macht folgt große Verantwortung.“ Ein Ausspruch, der in unserer Geschichte immer wieder benutzt wurde. Ob nun von Voltaire, mehreren Politikern oder Stan Lee (Spiderman). Egal in welchem Zusammenhang, die Wahrheit und Wichtigkeit hinter diesen Worten kann wohl niemand von uns bestreiten. Und genau das ist der Grund, weshalb ich heute mit euch über dieses Thema sprechen möchte, denn es betrifft uns doch auch irgendwie, nicht wahr?

Ob nun Politiker, Schauspieler, Musiker oder Autor. Als Person des öffentlichen Lebens, als Mensch dem man zuhört, dessen Worte man liest, ist es unabdingbar sich eines Umstandes bewusst zu sein: dadurch hat jeder dieser Menschen Macht. Die Macht auf andere Einfluss zu nehmen, ihre Gedanken und Gefühle zu manipulieren und sie zu lenken. Vielleicht lacht jetzt der eine oder andere von euch, aber witzig ist das wirklich nicht. Stellt euch doch nur mal diese Situation vor: ihr habt einen schlimmen Verlust erlitten, habt ein Trauma hinter euch und sucht etwas, dass euch Halt gibt. In diesem Zustand seid ihr schwach und gewisse Kräfte können auf euch einwirken. Um dem ganzen eine winzige politische Note zu geben, können wir auch sagen: euer Land hat einen harten Krieg hinter sich und ihr seid müde, habt Angst und bangt um die Zukunft eurer Kinder. Und dann ist da ein Mann, der euch Sicherheit verspricht. Der eurer Land groß machen will. Und dieser Mann ist ein hervorragender Redner. Was passiert? Wir wissen es doch alle.

Doch auch abseits von Politik gibt es Menschen, die eine solche Macht haben. Lehrer, Therapeuten, einflussreiche Persönlichkeiten. Es gibt Menschen, die einfach zum Führen geboren wurden. Dazu andere anzuleiten. Aber lassen wir auch das mal außer Acht und kommen wir zu dem, was MICH beschäftigt. Die Macht, die ein Autor hat. Auf junge Menschen, auf jene, die nach Antworten suchen. Glaubt mir, diese Macht ist gewaltiger, als ihr es euch vorstellen könnt. Beispiel gefällig?

Ihr wachst in einem konservativen Umfeld auf, die Menschen um euch herum haben eine bestimmte Meinung und geben diese natürlich an euch weiter. Faktoren wie Freunde und Lehrer nehmen ebenfalls Einfluss. Genau gegensätzlich. Ihr seid hin und her gerissen und wisst nicht, was ihr denken sollt. Also vergrabt ihr euch in Bücher. Jede freie Minute verbringt ihr mit Lesen und taucht in andere Welten ein. Zufällig ist darunter ein Buch, in dem es darum geht, dass man sich seine eigene Meinung bilden sollte und nicht einfach die von anderen übernehmen. Das beeinflusst euch so sehr, dass ihr auch Jahre später noch zweifelt, wenn da jemand daher kommt und euch die Welt erklären will. Weil ihr sie vollkommen anders wahrnehmt und egal was diese Person euch weismachen will, ihr habt eure eigenen Erfahrungen und an denen haltet ihr fest. Stellt euch mal vor, in dem Buch hätte etwas anderes gestanden. Zum Beispiel, dass man die Meinungen der Eltern respektieren soll und ihr nicht zu widersprechen hat. Dass einige Menschen viel besser wissen, wie die Welt funktioniert, egal was du so für Erfahrungen hast. Dass selbstständiges Denken nicht erstrebenswert ist.

Ich behaupte nicht, dass jeder darauf einsteigen würde. Aber hey, ihr seid noch Kinder und werdet eben von Dingen in eurem Umfeld beeinflusst. Menschen sind Individuuen und reagieren vollkommen unterschiedlich auf gewisse Dinge, aber ihr seht schon, worauf ich hinaus will, oder?

Und es ist nun einmal so, dass jedes Buch eine Botschaft enthält. Die Thematiken in einer Geschichte sind vielfältig, aber je nachdem wie ich als Autor darüber denke, fließt diese Meinung ein Stück darin ein. Liebe, Freundschaft, Verlust, Trauer, Angst, Gewalt, Missbrauch, Vertrauen und viele andere Themen kommen in den meisten Büchern auf eine gewisse Art und Weise vor. Das kann sogar nur unterschwellig sein. Und indem ich mich mit diesen Dingen auseinandersetze und darüber schreibe, mache ich meine Meinung öffentlich und gebe sie weiter. Das ist also die Macht, die ich habe.

Die Verantwortung liegt nun darin, dass ich nicht nur zu dieser Meinung stehe (mag sie noch so unbequem sein, das spielt keine Rolle), sondern auch genau darüber nachzudenken, was ich vermitteln will. Wie meine Botschaften ankommen und aufgenommen werden. Was sie anrichten könnten. Ja, dass ist drastisch formuliert, aber es trifft doch genau ins Schwarze. Ein Beispiel gefällig?

Wenn ich über eine junge Lehrerin schreibe, die ein Pflegekind in ihrer Klasse hat, dass misshandelt wird, ist das kein leichtes Thema und ich stehe in der Pflicht es weder zu beschönigen noch zu übertreiben. Und zudem ist es auch moralisch wichtig, dass ich hier darauf achte, wie die Lehrerin reagiert. Sie MUSS nicht das Richtige tun (was in dem Fall wäre: mit ihrer Vorgesetzten sprechen und die Misshandlungen dann dem Jugendamt melden und auch der Polizei). Aber wenn sie anders handelt, muss ich darstellen, dass sie ihre Kompetenzen überschreitet, dadurch nicht nur ihren Job verlieren kann, sondern ihr eine Anzeige wegen gefährdung von Kindeswohl droht. Und vor allem muss ich ihre Gründe beleuchten. Weshalb meldet sie es nicht?  Das darf nicht mit einem Satz abgespeist werden, dass muss die Figur verfolgen. Sie MUSS sich Gedanken machen, bevor sie handelt und die Konsequenzen bedenken. Da kommt das schlechte Gewissen ins Spiel und die Zweifel, die über sie hinaus wachsen. Es ist hier also die innere Logik des Charakters gefragt und nicht das, was man eigentlich tun sollte. Klar könnte ich sie einfach das richtige tun lassen und damit meine Botschaft rüberbringen. Aber manchmal verschwimmen die Grenzen. Und wenn man genau weiß, dass das System nicht funktioniert und es ein Fehler wäre, wenn man sich richtig entscheidet, was ist dann?

Die Welt ist nicht nur schwarz oder weiß, sie ist grau. Ich erhebe nicht den Anspruch zu wissen, was richtig ist und was nicht. Diese Begriffe wurden von Menschen geprägt und sie haben – manchmal durch Gesetze – die Rahmenbedingungen festgelegt. Nur in einigen Situationen ist es nicht so leicht. Und außerdem glaube ich, dass man nicht alles und jeden in Schubladen einteilen sollte.

Es ist vollkommen in Ordnung, über schwierige Themen, über Tabus zu schreiben. Unsere Charaktere dürfen gerne gegen die Gesetze ihrer Welt verstoßen, wenn es gut genug begründet ist und daraus auch eine Konsequenz folgt. Weil es im wahren Leben nun mal so ist. Und so wie jeder Mensch von etwas motiviert wird und seine Träume verfolgt, gilt das ebenso für die Charaktere in Büchern.

Das ist es, was uns bewusst sein sollte. Durch die Geschichten transportieren wir eine Botschaft, die gelesen wird. Und ja verdammt, es ist völlig okay, wenn mal nicht die guten gewinnen, weil eben auch das dazu gehört. Ein Staatsanwalt verliert einen Fall, in dem es um Vergewaltigung geht, weil jemand die Beweise manipuliert hat. Oder was weiß ich. Nur dann muss man eben auch daran denken, dass es dem Charakter nicht egal sein wird. Das ihn diese Sache verfolgt, denn dadurch ist ein Verbrecher immer noch auf freiem Fuß. Wahrscheinlich wird der Mann nicht aufgeben und weiter graben. Und sollte es noch ein Opfer geben, könnte er sich verantwortlich fühlen. Versteht ihr, was ich sagen will?

Wir haben die Macht über alles zu schreiben, was uns in den Sinn kommt, aber auch die Verantwortung mit diesen Theman gewissenhaft umzugehen, damit sie genau so ankommen, wie wir sie rüber bringen wollen.

Immer wieder höre und lese ich, dass Klischees in Büchern nichts zu suchen haben und wir sie abwandeln sollen, damit sie aufgelockert werden. Aber wisst ihr was? Manchmal ist das Leben selbst ein Klischee. Die Frau, die von ihrem Mann vernachlässigt wird und sich einsam fühlt, existiert ebenso wie der schwule kleine Bruder, der sich nicht traut über seine Sexualität mit den Eltern zu sprechen. In meinen Büchern gibt es Klischees und das ist mir vollkommen bewusst. Ich werde das auch nicht ändern, weil hinter den Charakteren, die andere als Klischee wahrnehmen, immer eine Geschichte steckt. Sie sind genauso vielschichtige Persönlichkeiten, wie es reale Menschen sind. Und deshalb betrachte ich sie vielleicht weniger als Figuren, die ich mir ausgedacht habe, sondern als Wesen, die zu mir gekommen sind, um mir von sich zu erzählen. Denn genau so ist es eigentlich auch.

Natürlich habe ich einen gewissen Einfluss auf die Geschichte. Auf die Grundthemen. Aber um ehrlich zu sein, lasse ich die Charaktere einfach machen und lasse es laufen. Und wenn ich merke, dass dadurch mein Plot, meine Planung auseinandergerissen wird,  weil ein Thema eben nicht so schnell abgehandelt werden kann oder die Figuren sich in eine andere Richtung entwickeln, freue ich mich darüber. Dann lebt die Geschichte. Und solange ich moralisch hinter dem stehe, was da abläuft, greife ich auch nicht ein. Doch im Hinterkopf bleibt diese Stimme, die sich immer fragt: ist es das, was du deinen Lesern vermitteln willst? Beleuchtest du die Problematik gut genug?

Denn am Ende liegt die Verantwortung immer noch bei mir. Und wenn da draußen auch nur eine Person ist, die ich zum Nachdenken anrege, dann ist es meine Pflicht darauf zu achten, wie ich damit umgehe. Worte haben unglaubliche Macht und das sollte uns allen bewusst sein.

Wie seht ihr das? Schreibt mir doch gerne eure Meinung! Wenn ihr es anders seht, dürft ihr mir das auch gerne mitteilen 🙂

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