Über das Schreiben

Wann kommt Band 2? Wie oft werde ich veröffentlichen?

Eines will ich anmerken, bevor ich meine Gedanken zu dem Thema von der Leine lasse: Mit diesem Beitrag will ich niemanden angreifen oder schlecht reden! Alles, was ich schreibe beziehe ich nur auf mich und niemanden sonst! Jeder Mensch ist anders und arbeitet auch anders. Daran sollten wir immer denken und ich respektiere das. Es geht also nicht im meine Meinung zum Thema „Wie oft sollte man veröffentlichen“, sondern darum, wie ICH damit umgehe. Ich als Person und als Autorin. Deshalb möchte ich nicht, dass sich jemand auf den Schlips getreten fühlt, denn darauf ziele ich ganz bestimmt nicht ab!

Wer mich kennt, der weiß, dass ich versuche, meine Rohfassungen so schnell wie möglich zu schreiben. Damit ich die Motivation und Inspiration, die mich in den ersten Tages überfallen, an denen ich ein neues Projekt schreibe, möglichst lange aufrecht erhalten kann. So schaffe ich über das Jahr verteilt ungefähr 4-6 Rohfassungen, die dann auf der Festplatte liegen und warten, bis ich den nächsten Schritt damit gehe. Aber damit ist es ja nicht gelaufen. Es geht nicht allein um das Schreiben.

Denn bevor ich überhaupt ein Wort auf die leere Dokumentseite bringe, muss ich die Geschichte erst mal planen. Je nach Projekt und Genre kann das ein langwieriger Prozess werden. Bei Romance brauche ich oft nur zwei Wochen, um die Charaktere zu erschaffen, die Handlung grob aufzuschreiben und mir Notizen zu der Umgebung und den Problematiken zu machen, die in der Geschichte vorkommen. Bei Fantasy dagegen, dauert es mindestens 4 Wochen. Denn da haben wir noch den Weltenbau, die verschiedenen Wesen und einen genaueren Fahrplan, den ich mir notiere. Das finde ich bei dem Genre sehr wichtig, damit ich nicht abschweife, den roten Faden verliere oder gar aus meiner Welt falle. Das sind meist 80 – 120 A5 Seiten, die ich damit fülle und das schreibt sich nun mal nicht in ein paar Tagen. Außerdem brauche ich noch Zeit, um nachzudenken. Über die Welt, die Charaktere und alles andere, um zu kontrollieren, ob alles stimmig ist.

Und da haben wir den entscheidenden Punkt: die Zeit, die ich brauche, bevor ich mir überhaupt Notizen mache. Zeit, in der sich die Charaktere von selbst entwickeln und sich mir irgendwann zeigen. In denen die Handlung Gestalt an nimmt und mich vollkommen vereinnahmt. Das dauert meist 6 Monate. Egal ob Romance oder Fantasy. Meine Ideen müssen reifen und sich entfalten.

Wenn ich das jetzt an „Between – Zwischen Wahrheit und Lüge“ festmache, lief alles ungefähr so ab: Im März hatte ich die Idee zur Geschichte. Ally und Luc sind mir das erste Mal erschienen und haben meine Gedanken gefangen genommen. Im September habe ich das Projekt geplant, um es ab Oktober schreiben zu können. Im November hatte ich es fertig geschrieben und habe es dann im Dezember überarbeitet. Das war ein Fehler. Denn normalerweise vergehen 4-8 Wochen, bevor ich ein Projekt überarbeite. Ich brauche diesen Abstand, um möglichst objektiv zu sein. Ich will das Gefühl haben, dass der Text von jemand anderem geschrieben wurde. Bei Between war es ein Test, um zu sehen, ob zwei Wochen ausreichend sind. Das Ergebnis war recht eindeutig. Ich brauche mehr Zeit dazwischen.

Danach folgen noch die Testleser, das Lektorat, Cover, Buchsatz, andere Vorbereitungen, die ich mal mit 8 Wochen oder mehr verbuche (Bei Between geht dieser Vorgang von Anfang Januar bis Ende Februar …).

Das sind insgesamt 52 Wochen von der ersten Idee, bis das Skript so weit ist, dass der Gedanke an die Veröffentlichung real wird. 1 ganzes Jahr vergeht, bis ein Buch fertig ist. Und die Tatsache, dass ich so viele Rohfassungen schreiben kann, begründet sich allein darauf, dass ich gewisse Ideen schon eine Ewigkeit mit mir herumtrage und immer wieder neue dazu kommen, die sich dann hinten anstellen, bis sie dran sind. Manchmal wandle ich sie noch ab, wenn ich etwas habe, was mich inspiriert. Aber sie sind eben schon da. Selbst die Idee vom aktuellen Projekt, die mir quasi übernacht kam, habe ich mit einer verknüpft, die schon in meinem Notizbuch war. Das Einzige, was ich geändert habe sind Namen und Handlungsorte, die nicht zu dem Projekt passten. Ja, manchmal verschmelzen mehrere Ideen miteinander.

Worauf ich also hinaus will: Wenn ich es gut time und alles so halbwegs gleichzeitig abläuft (Plot für ein neues Projekt, das aktuelle Schreiben und ein anderes überarbeiten) würde ich wahrscheinlich 3-4 Bücher im Jahr veröffentlichen können. Aber das Leben folgt nicht meinen Plänen und ich bin keine Maschine. Jeder Autor kennt sich selbst und seine Arbeitsweise am besten und kann einschätzen, wo seine Grenzen liegen. Realistisch gesehen schaffe ich also höchstens (wenn überhaupt) zwei Veröffentlichungen im Jahr. Das hört sich jetzt wenig an, wenn man es mit anderen Selfpublishern vergleicht, aber ich bin nun mal nicht andere. Ich habe ein Handicap und das „zwingt“ mich dazu, langsamer zu machen, um genauso sorgfältig zu sein, wie es andere in der Hälfte der Zeit sind. Und selbst nach drei Überarbeitungsdurchgängen gibt es noch genug Fehler, die ich einfach übersehe. Man könnte jetzt meinen, ich bin einfach betriebsblind und das mag auch zu einem großen Teil stimmen. Doch ist es eben nicht die ganze Wahrheit. Fehlende Satzzeichen (und ich spreche nicht von Kommata) und Buchstabendreher sieht man gewöhnlich auch, wenn man betriebsblind ist, weil einem so was ins Auge springt. Mir nicht. Und manchmal schäme ich mich dafür, dass ich meinen Testlesern ein Manuskript anbiete, dass vor solchen Fehlern strotz und das obwohl das Ding 3 mal überarbeitet wurde (einmal am PC lesen, umschreiben usw, dann ausdrucken und alles überprüfen, die Änderungen in die Datei einfügen und noch mal überprüfen). Nur muss ich mich damit arrangieren. Ich will nicht jammern oder nach einer Ausrede suchen, denn es geht ja alles trotzdem, nur etwas langsamer. Außerdem ist diese Krankheit ein Teil von mir, sie bestimmt mein Leben und … lange Zeit habe ich sie verheimlichen können und mich als „normal“ ausgegeben. Darauf habe ich keine Lust mehr. Deshalb rede ich ganz offen darüber und will auch kein Mitleid (weil es mir eben trotzdem gut geht und ich damit bestens klar komme, wenn ich mich an meine Möglichkeiten halte. Und das mache ich, also ist alles gut :)). Natürlich könnte ich einfach meine bisherigen Rohfassungen überarbeiten und dann … aber das sind Fantasy-Reihen. Da fehlen die Folgebände und wenn ich da etwas veröffentliche dauert es sicher mehr als ein Jahr, bevor der nächste Band kommt. Deshalb schreibe ich die erst einmal schön zu Ende, bevor ich sie auf die Welt loslasse (außerdem sind sie so dick, dass ein TB wahrscheinlich 16 € oder mehr kosten würde UND diese Babys würde ich auch unheimlich gern bei einem Verlag unterbringen).

Zwei Bücher. Vielleicht sogar nur eins. Das ist wenig. Aber dieser Rythmus ist eben MEINER. Nur so kann ich meinen Geschichten gerecht werden und nur so fühle ich mich auch wirklich wohl. Ich bin nun mal schnell beim Schreiben, aber bei allem anderen eine Schnecke. Ich stehe zu meinen Mackeln.

Habe ich denn keine Angst, dass ich von den Lesern vergessen werde? Doch. Weil ich weiß, dass viele nicht bereit sind, ein Jahr oder länger auf eine Fortsetzung zu warten. Aber was könnte ich denn dagegen tun? Reihen schreibe ich zuerst fertig beziehungsweise bewerbe ich mich da bei Verlagen (was eine Zeit dauert und ich somit „frei“ bin, mich auf andere Projekte zu stürzen). Doch „Serien“ sind eine andere Geschichte. Die Bände sind in sich abgeschlossen und schreien nicht nach einer Fortsetzung. Sie können unabhängig voneinander gelesen werden und so bekomme ich – so hoffe ich doch sehr – mehr Zeit. Und ich gebe es ganz offen zu: Selfpublishing ist Stress pur. Die Gedanken, die sich die Autoren machen, die Fragen, die sie vorher klären müssen und die Dinge, die auf sie zukommen. Es ist Wahnsinn. Und für jemanden wie mich vielleicht auch der falsche Weg. Aus den oben genannten Gründen. Ich bin langsam und daran wird sich nie etwas ändern. Eher im Gegenteil. Aber ich werde mich garantiert nicht für eine Sache entschuldigen, für die ich nichts kann. Weder habe ich mir die Krankheit ausgesucht noch möchte ich sie behalten. Da draußen wird es Menschen geben, Leser, die von mir enttäuscht sein werden, weil ich „nur“ zwei Bücher im Jahr herausbringe. Aber es wird auch die geben, die Verständnis haben und darauf baue ich.

Was Between 2 angeht … Die Story ist zwar in meinem Kopf, aber ich denke noch nicht daran, sie zu planen oder gar zu schreiben. Das kommt erst im Sommer. Aus zwei Gründen: 1. Die Geschichte muss noch reifen. 2. Die Thematik ist hart. Sie wird mich an meine Grenzen bringen und mir alles abverlangen, wenn ich es realistisch darstellen will. Ich muss vorher also recherchieren, mich über das Thema schlau machen und mich in den Charakter einfühlen. Und zwar so tief, als wäre ihr Schmerz meiner. Als wäre ich die Person, die dieses schreckliche Schicksal erlitten hat.

Between 2 wird es also erst nächstes Jahr geben und ich hoffe, ihr habt dafür Verständnis.

Bis dahin arbeite ich an einem anderen Projekt, dass seinen Arbeitstitel losgeworden ist und nun unter einem anderen Namen läuft. Es wird eine Dilogie, spielt teilweise in Bosten und enthält mal wieder ein Stück meines Lebens. #Ko #FdH

Wann dieses Buch erscheint, kann ich wirklich noch nicht sagen. Ich stecke noch mitten im Schreibprozess und habe – was das Gefühl angeht – noch nicht mal ein Viertel, obwohl ich die 25k Marke schon überschritten habe.

Ich weiß, es gibt Autoren, die öfter veröffentlichen und mehr schaffen. Aber diese Autoren sind eben nicht ich. Für sie mag dieser Weg funktionieren und das bewundere ich wirklich, weil sie dem Leser so viel mehr bieten können, als ich. Aber ich kenne mich selbst und ich weiß, wie und womit ich mich wohlfühle. Und ich finde, dass sollte man respektieren. So wie ich auch andere Autoren respektiere, die mehr Veröffentlichungen haben, hoffe ich, dass auch ich respektiert werde. Für meine Meinung, meine Entscheidungen und meine Herangehensweise. Denn wie schon gesagt, ist jeder Mensch anders und das sollten wir verstehen. Man kann nicht von jedem Autor das gleiche erwarten, nur weil es bei anderen so ist. Versteht ihr?

So, genug gequatscht. Ich wünsche euch noch einen wunderschönen Tag ❤

Wenn ihr wollt dürft ihr mir natürlich gern eure Meinung in den Kommentaren lassen!

2 Kommentare zu „Wann kommt Band 2? Wie oft werde ich veröffentlichen?

  1. Hey Jenny!

    Weißt du, du hast vollkommen recht. Jeder hat sein eigenes Tempo und wenn du und deine Geschichten mehr Zeit brauchen, dann ist das eben so. Ich finde es toll, dass du sagst, wie es ist! Und in meinen Augen hat jeder Autor Respekt verdient, egal wie viele Bücher im Jahr veröffentlicht werden. Es ist immer Arbeit, sich in eine neue Welt zu finden, Charaktere kennenzulernen und dann all die tollen Sachen und Probleme und Situationen auch noch aufs Papier zu bringen.
    Also nimm dir die Zeit, die du brauchst! ❤
    Ich brauche mindestens ein Jahr um einen Roman aufs Papier zu bringen. Dazwischen schreibe ich zwar noch an anderen Sachen (und dann wäre da ja auch noch das real life^^), aber unter dem schaffe ich nix. Jedenfalls für Geschichten mit Romanlänge. Das ist so und das kann ich auch nicht ändern. 🙂

    Liebe Grüße
    Juliane

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Juliane,

      danke für deinen Kommentar! Ich finde, dass einige Leser eben vergessen, dass nicht jeder Autor das gleiche Tempo oder die gleiche Arbeitsweise hat. Sie sehen, dass einige alle drei Monate ein Buch veröffentlichen (was ich wie gesagt gar nicht schlimm finde!) und fragen sich dann, weshalb ein anderer „so lange braucht“. Deshalb habe ich den Artikel geschrieben, um zu zeigen, dass wir alle Individuen sind und es eben auch keine Katastrophe ist, wenn eben nur zwei oder ein Buch im Jahr kommen. Mir ist es sogar egal, wenn nur alle paar Jahre ein Buch kommt, so wie es bei Marc Elsberg ist. Aber ich weiß, wie ungeduldig die Menschen sind und das sie schnell das Interesse verlieren, was ich wirklich schade finde. Aber, um ganz ehrlich zu sein, sind das dann auch nicht die Leser, die ich erreichen will. Menschen ohne Verständnis habe ich schon genug in meinem Leben, die brauche ich nicht auch noch bei etwas, dass ich von Herzen liebe!
      Ja, ganz genau! Erst einmal all das, was du gesagt hast und dann bin ich noch ein wenig pingelig, was das Überarbeiten angeht. Und fertig ist es eben erst, wenn es sich für den Autor so anfühlt!
      Finde ich gar nicht schlimm, dass du da ein Jahr brauchst und daran solltest du auch nichts ändern ❤
      Liebe Grüße
      Jenny

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