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Von der Idee zum fertigen Text III – Das Schreiben

Die Planung ist abgeschlossen, die Charaktere erstellt. Kaffee, Tee und andere Getränke liegen bereit, für Nervennahrung ist auch gesorgt. Die zusammengesuchte Playlist läuft und versetzt mich in die Stimmung, die ich bei meinem Projekt brauche. Ich weiß, in welcher Zeitform, in welcher Perspektive und aus welcher Sichtweise ich schreiben will.

Alles ist bereit, nur ich bin es irgendwie nicht. Bei jedem Projekt hänge ich da und starre auf die leere Seite, tippe zögernd den ersten Satz und lösche ihn, noch bevor ich einen Punkt dahinter setzen konnte. So zieht sich das stundenlang hin. Irgendwann habe ich einen Absatz, eine Seite und dann mehrere.

Dann kommt der Punkt an dem ich innehalte und das bisher Geschriebene noch einmal lese. Auch das fällt der Löschtaste zum Opfer und so geht es weiter, bis ich mit dem Anfang zufrieden bin. Denn obwohl ich genau weiß, dass ich ihn eh noch einmal überarbeiten werde, brauche ich zumindest einen Anfang, der stimmig ist und mich in die Welt hinein zieht.

Ist das erste Kapitel geschrieben, läuft es meist von selbst. Bis zu einem bestimmten Punkt. Dann wird immer wieder ein Blick in den Plot geworfen und jeden Tag fleißig in die Tasten gehauen, bis irgendwann das magische Wörtchen Ende unter dem Text steht.

Doch so einfach ist es leider nicht. Denn der Grund, weshalb ich mich so lange mit dem Anfang der Geschichte aufhalte, ist folgernder: Es sind die ersten Sätze, die den Leser packen müssen. Die Spannung erzeugen müssen und Fragen aufwerfen. Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten ein Buch zu beginnen.

Mitten in die Handlung werfen:

Der Leser weiß nicht worum es geht, in was für einer Welt er gelandet ist und weshalb der Protagonist solche Probleme hat. Aber er findet es spannend und weil er so viele Fragen hat, wird er automatisch weiter lesen.

So eine Szene muss nicht actionreich sein, sondern einfach nur in einer Handlung beginnen. Bei einem Streit zum Beispiel. Oder wenn der Protagonist in ein Flugzeug steigt. Oder wenn jemand in ein Krankenhaus eingeliefert wird. Ihr versteht sicher, was ich damit meine. Der Leser ist sofort mittendrin und wird gepackt.

In die Welt einführen:

Ein sanfter, langsamer Einstieg, um den Leser in die Welt einzuführen und ihm die Protagonisten näher zu bringen. Aber Achtung! Das bedeutet nicht, dass ihr nun die Infodump-Karte zucken dürft und eine Information nach der anderen in den Text ballert. Es bedeutet, dass ihr nichts über die Welt schreibt, sondern es zeigt. Da sind wir bei Show don’t tell, über das ich euch in einem späteren Beitrag noch mehr berichten werde.

Vorteil dieser Variante ist, dass sich der Leser sofort heimisch fühlt und sich mit den Charakteren identifizieren kann. Natürlich solltet ihr auch an dieser stelle für offene Fragen und Spannung sorgen, damit auch alle bei der Stange bleiben und weiter lesen wollen.

Wendungen und Charakterentwicklung:

Nach dem Anfang folgt der Rest. Hier könnt ihr entweder eurem Plot folgen oder aber, wenn ihr entdeckende Schreiber seid, eurem Bauchgefühl. Doch auch im Verlauf eurer Geschichte müsst ihr an den Spannungsbogen denken! Baut unerwartete Wendungen ein, führt den Leser auf falsche Fährten, lasst Kapitel mit einem Cliffhanger enden. Und bitte vergesst nicht, dass eure Protagonisten sich im Laufe der Handlung verändern. Ihr Charakter wird nicht statisch bleiben, sondern einen Entwicklungsprozess durchlaufen. Denn auch wir Autoren wachsem mit jedem Erlebnis, das hinter uns liegt.

Konflikte:

Jeder Prota hat Geheimnisse und einen inneren Zwiespalt. Dadurch ergeben sich Probleme. Ihm werden Hindernisse in den Weg gelegt und er muss sich selbst überwinden. Doch hier müsst ihr auf die Balance achten. Kleinere Konflikte dürfen sich nicht so ewig hinziehen. Ihr solltet wissen, wie ihr sie löst und dann sofort den nächsten Zwischenfall bereit halten. Größere Probleme dagegen können sich gern über die gesamte Handlung hinweg erstrecken. Der Kampf mit dem Antagonisten zum Beispiel. Hier sollte keine schnelle Lösung parat sein. Fertig eure Leser nicht ab, gebt ihnen die Spannung.

Das Ende:

Handlungsstränge zusammenführen, offene Fragen beantworten und zeigen, was aus den Charakteren geworden ist. Ob es nun ein Happy End gibt oder eben nicht, ist dabei egal. Aber lasst ruhig ein paar kleine Dinge offen, damit der Leser sie in Gedanken selbst fortführen kann und auch noch an euer Buch denk, wenn er es zu Ende gelesen hat. Natürlich kein offenes Ende, außer ihr habt vor einen Folgeband zu schreiben oder die Geschichte erfordert es.

Schreibt das Ende als eine Art Rahmenhandlung und greift ruhig einiges aus den ersten Kapiteln wieder auf. So bildet es eine schöne abgerundete Handlung und stellt den Leser zufrieden. Solltet ihr doch einen Folgeband planen, dann empfehle ich auch größere Fragen offen zu lassen und an einer Stelle aufzuhören, die zwar spannend ist, bei der eure Leser aber nicht an die Decke springen, weil es so ein schrecklicher Cliffhanger ist. Oder ihr macht eben genau das.

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