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Testleser – Genaue Vorgaben, Fragenkatalog und Aufgabenstellungen

Obwohl ich lange nicht so weit bin, mein eigenes Manuskript aus der Hand zu geben und es auseinander nehmen zu lassen, habe ich mich schon mit diesem Thema auseinander gesetzt. In einem früheren Artikel bin ich auf die Unterschiede zwischen Alpha-, Beta- und Testlesern eingegangen. Alpha, Beta und Testleser – Wozu braucht man die?

Da ich im Moment Alphaleserin einer guten Freundin bin und mich auch als Betaleserin zur Verfügung stelle sind mir einige Dinge aufgefallen, die ich heute gern mit euch teilen würde. Dabei lassen wir das Lesen einer Rohfassung und des endgültigen Manuskriptes mal außen vor und konzentrieren uns nur auf das Betalesen.


Wie immer gilt: alles was ich schreibe sind keine Vorgaben, sondern Vorschläge. Einiges davon werde ich auf meine eigenen Texte anwenden und mache das auch schon. (Meine ersten überarbeiteten Seiten leuchten in blutrot, könnt ihr mir glauben!)

Ihr habt eure Rohfassung einmal oder gleich mehrmals überarbeitet und möchtet jetzt Feedback haben. Sobald sich jemand meldet, schickt ihr den Text und wartet dann ab. Aber so funktioniert das leider absolut nicht! Denn ohne einen bestimmten Auftrag oder Fragestellung, sitzt der Testleser dann da und weiß nicht, worauf er achten soll oder welche Kriterien dem Autor am Wichtigsten sind.

Deshalb ist es wirklich wichtig, dass ihr das vorab klärt!

Die verschiedenen Varianten

Beispiel 1: Dem Autor geht es um den Stil, die Handlung und die Charaktere. Da kann der Bettleser einfach anfangen, einen Block neben sich und dann Notizen machen. Das Manuskript könnte in einem Rutsch durchgelesen werden und es benötigt weniger Zeit, da es nicht um bestimmte Textstellen geht, sondern nur um das Gesamtbild.

Beispiel 2: Der Autor möchte bestimmte Fragestellungen geklärt haben. Ist diese Entwicklung realistisch, sind die Beschreibungen bildhaft oder gibt es irgendwelche Stellen, die nicht nachvollziehbar sind. Der Testleser kann auch hier einfach nur lesen und dabei die Aufgabe im Kopf behalten, um sich Notizen zu machen.

Beispiel 3: Ausdruck, Formulierungen, Rechtschreibung, Grammatik und alles was so dazugehört. Auf zu viele Adjektive achten, Füllwörter streichen, auf den Klang eines Satzes achten oder die Kapitelübergänge durchleuchten. Dafür braucht ein Bettleser wesentlich mehr Zeit, denn er arbeitet ja direkt am Text. Da kann er sich nicht mit einem Reader und einem Block hinsetzen, sondern muss das am Bildschirm oder auf dem Papier in Angriff nehmen.

Beispiel 4: Komplettpaket mit Fragenkatalog. Hier soll der Testleser auf alles achten, was ihm auffällt und hat zudem noch konkrete Aufgabenstellungen. Der Text wird nicht nur einmal gelesen, sondern zweimal. Wie bei Punkt 3 muss dafür am Text gearbeitet werden . Zumindest im ersten Durchgang. Erst danach widmet man sich den Fragen des Autors. Dafür braucht es wenigstens vier Wochen, wenn nicht mehr.

Die Konsequenzen

1. Je nachdem, welche Aufgabe ein Testleser hat, muss der Autor die benötigte Zeit festlegen. Für Beispiel 1 und 2 reichen vielleicht zwei Wochen, aber bei den tieferen Korrekturen ist das einfach zu wenig.

2. Bei den Varianten Nummer 3 und 4 ist es ganz logisch, dass der Autor vor einem Bildschirm sitzt, auf dem plötzlich alles rot flackert. Die Folge daraus: Viele fühlen sich schlecht und sind niedergeschlagen. Was aber gar nicht sein muss, immerhin geht es um viele Kleinigkeiten. Füllwörter, Adjektive, Gleichzeitigkeit. All das markiere ich in einem Text, den ich auf diese Weise bearbeiten soll und da kommt nun mal einiges zusammen. Auf einigen Seiten mehr, auf manchen wieder weniger.

3. Streit und Missverständnisse. Hat der testloser keinen Auftrag, wird er erst mal nicht wissen, was zu tun ist. Wenn ich nichts gesagt bekomme, mache ich Version 4 und dann ist da nun mal sehr viel rot im Text. Aber auch, wenn ich konkrete Vorgaben habe, sind meine Anmerkungen NIEMALS gesetzt. Das bedeutet im Klartext: ich mache reine Vorschläge, am Ende bleibt es dem Autor überlassen, was er übernimmt und was nicht. So kommt es gar nicht erst zu Differenzen.

Fragenkatalog

Neben den verschiedenen Aufgaben, die ein Autor seinen Bettlesern geben kann, gibt es da noch den Fragenkatalog. Schon beim Schreiben fallen mir Dinge auf, bei denen ich mir unsicher bin. Das markiere ich mir mit einem Notizzettel oder Kommentar und mache dann einfach weiter. Die Rohfassung wird bei mir einfach runter geschrieben, der Rest kommt bei der Überarbeitung.
Die Fragen beziehen sich auf die Handlung, die Charaktere und einzelne Kapitel.

Ein paar Beispiele:

  • Erfüllt diese Szene ihren Zweck oder muss ich sie umschreiben/streichen?
  • Sind die Dialoge nachvollziehbar und bringen die Handlung weiter/verdeutlichen die Beziehung zwischen den Charakteren/beschreiben die Charakterentwicklung?
  • Handelt XY hier nachvollziehbar oder ist die Reaktion übertrieben?
  • usw.

So habe ich am Ende ziemlich viele Fragen, die ich an meine Testleser weitergebe. Neben den anderen Aufgaben kommt da einiges zusammen und dabei ergeben sich wieder andere Probleme, die es zu bedenken gibt, bevor ich ihnen das Manuskript schicken kann.

Hier mache ich gern einen Unterschied zwischen denen, die selbst schreiben und „gewöhnlichen“ Lesern. Ein anderer Autor achtet mehr auf Formulierungen, Beschreibungen und Stil. Sie wissen etwas mit Begriffen wie Show den’t tell anzufangen und betrachten einen Text ganz anders. Leser dagegen achten mehr auf Spannung, auf die Charaktere und wie sie wirken. Die Sichtweise ist eine vollkommen andere, deshalb kann ich nicht von jedem Bettleser alles verlangen und muss differenzieren.

Entweder nutze ich das für verschiedene Überarbeitungsstufen oder aber ich gebe unterschiedliche Aufträge und Time es so, dass ich nicht alle Kommentare gleichzeitig einarbeiten muss. So kann ich mich auf einzelne Bereiche konzentrieren.

Natürlich gibt es auch Testleser, die alles auf einen Rutsch machen und die deinen Text wirklich auseinander pflücken. Jeden einzelnen Satz durchgehen und dir Tipps geben und Fehler anstreichen. Es gibt wirklich Menschen, die für so was ein unglaubliches Gespür haben. Hat man so jemanden gefunden, ist es wie ein 6er mit Superzahl im Lotto!

Bevor ich mich als Testleserin zur Verfügung stelle, fordere ich meist ein Kapitel an, lese es und mache Anmerkungen. So kann der Autor sehen, wie ich arbeite und kann entscheiden, ob ihm das gefällt. Was das betrifft bin ich sehr pingelig, nehme mir sehr viel Zeit und markiere wirklich alles, was mir so auffällt.

Genau so werde ich es auch machen, wenn ich meine eigenen Texte weitergebe. Erst ein Kapitel schicken, um dann zu sehen, ob es passt. So sind beide Seiten viel glücklicher.

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